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An meine Freunde


Sind wir denn hier das Spiel des Glückes

Das sich bald hier bald dorthin neigt,

Und liegen auf der Waage des Geschickes,

Die vorhin sank, nun steigt?

 

Und sollen immer denn Tyrannen

Beherrschen unser Wohl und Leid

Erhöhen, wenn sie Redliche verbannen

Die Niederträchtigkeit!

 

Und stolze Priester uns gebieten

Was unsre Seele glauben soll,

Mit Feuer und Schwert verkündigen den Frieden

Des heiligen Wahnsinns voll!

 

Und Kriege ganze Nationen

Ins Unglück stürzen um den Ruhm

Daß Einem untertan mehr Regionen

Als Waffeneigentum?

 

Und soll uns dann in Fesseln zwingen

Die nachgeahmte Häßlichkeit

Um Weihrauch einem Mächtigen zu bringen

Nur groß durch Schändlichkeit?

 

Nein! Freunde kommt, laßt uns entfliehen

Den Fesseln, die Europa beut,

Zu Unverdorbnen nach Taiti ziehen

Zu ihrer Redlichkeit.

 

Und laßt uns da das Volk belehren

Wie Orpheus einstens tat;

Das Saitenspiel soll ihrer Wildheit wehren

Errichten einen Staat,

 

Wo nur Natur den Szepter führet,

Durch weise Künste unterstützt,

Und jeder in dem Stand, der ihm gebühret,

Dem Vaterlande nützt.

 

Und wo nicht blutige Trophäen

Auf offnem Platze aufgestellt,

Und nicht dem Gott zu dem wir innig flehen

Ein blutig Opfer fällt.



(* 02.05.1772, † 25.03.1801)




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