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Abendbilder


1

Friedlicher Abend senkt sich aufs Gefilde;

Sanft entschlummert Natur, um ihre Züge

Schwebt der Dämmerung zarte Verhüllung, und sie

Lächelt, die holde;

 

Lächelt, ein schlummernd Kind in Vaters Armen,

Der voll Liebe zu ihr sich neigt; sein göttlich

Auge weilt auf ihr, und es weht sein Odem

Über ihr Antlitz.

2

Stille wirds im Walde; die lieben kleinen

Sänger prüfen schaukelnd den Ast, der durch die

Nacht dem neuen Fluge sie trägt, den neuen

Liedern entgegen.

 

Bald versinkt die Sonne; des Waldes Riesen

Heben höher sich in die Lüfte, um noch

Mit des Abends flüchtigen Rosen sich ihr

Haupt zu bekränzen.

 

Schon verstummt die Matte; den satten Rindern

Selten nur enthallt das Geglock am Halse,

Und es pflückt der wählende Zahn nur lässig

Dunklere Gräser.

 

Und dort blickt der schuldlose Hirt der Sonne

Sinnend nach; dem Sinnenden jetzt entfallen

Flöt und Stab, es falten die Hände sich zum

Stillen Gebete.



(* 13.08.1802, † 22.08.1850)




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