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Swenne ich schine


Swenne ich schine so muost du lühten,

swenne ich vlüsse, so muost du wuethen,

swen du süfzest, so zühest du min götlich herze in dich.

swenne du weinest na mir, so nim ich dich an den aren min;

swenne du aber minnest, so werden wir zwöi ein,

und wenne wir zwöi alsust eines sin, so mag da niemer geschehen scheiden,

mere ein wonenklich beiten wonet zwüschent uns beiden.

herre so beit ich denne mit hunger und mit durste,

mit jagen und mit luste,

vnz an die spilenden stunde

das us dinem götlichen munde

vliessen die erwelten wort,

die von nieman sin gehort,

mere von der sele alleine,

die sich von der erde entkleidet

und leit ir ore für dinen munt -

ja die begriffet der minne funt.

 

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Wann immer ich scheine, so musst du leuchten,

wann immer ich fließe, so musst du wild überströmen,

wann immer du seufzt, so ziehst du mein göttliches Herz in dich.

Wann immer du weinst nach mir, so nehme ich dich in meinen Arm;

wann immer du wieder liebst, so werden wir zwei eins,

und wann immer wir zwei so eins sind, so kann da nie mehr Trennung sein;

vielmehr wohnt ein freudiges Zurückhalten zwischen uns beiden.

Mein Herr! So halte ich mich denn zurück mit Hunger und mit Durst,

mit dem Umherjagen und mit dem Vergnügen,

bis an die Stunde, in der alles sich munter bewegt wie im Spiel,

in der aus deinem göttlichen Mund

fließen die erlesenen Worte,

die von niemanden gehört werden

als von der Seele allein,

die die Erde ablegt

und ihr Ohr vor deinem Mund legt -

ja, die begreift den Fundort der Liebe.



(* 00.00.1207, † 00.00.1282)




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