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Festlied


1814.

 

Nun singt, von Andacht hoch durchglüht,

Der Freiheit Lobgesang!

Im Himmel und auf Erden klang

Noch nie ein schönres Lied.

Denn Freiheit war das Meisterwort,

Als Gott die Geister schuf;

O Freiheit unser Stern und Hort,

Wir hörten auch den Ruf.

 

Da brach hervor zu Gotteslust

Was lang im Finstern schlief,

Der Keim der Freiheit, welcher tief

Entsproß in Menschenbrust.

In tausend Aesten brach es aus,

Das junge zarte Reis,

Ein reicher voller Blütenstrauß

Zu Gottes Ehr′ und Preis.

 

Sei hochgepriesen, goldne Zeit,

O freie Hirtenwelt!

Der strengen Männer Busen schwellt

Nach dir ein stiller Neid.

Doch Schöneres wird nie gesehn,

Als wenn ein holdes Kind

Emporschaut nach den ew′gen Höhn,

Wenn sich der Mensch besinnt.

 

Er fühlt sich Meister jedes Dings

Und kennet sein Geschlecht,

Er bildet sich ein heilig Recht

Und blicket rechts und links.

Was ihn als Ahnung fern umschwebt,

Was schaute die Vernunft,

Der Schöpfertrieb, der in ihm lebt,

Stellt′s dar in Haus und Zunft.

 

So schaut man im Gesetz verklärt

Vollkommner Freiheit Bild;

Sie hat auch unser Herz erfüllt,

Ein Kleinod hoch und werth.

Drum achten wir im blut′gen Bann

Das fluchbeladne Haupt,

Den Feind, den Räuber, den Tyrann,

Der uns die Freiheit raubt.

 

Die alte Kunde schwebt herab

In wunderbarem Glanz;

Wir opfern diesen Eichenkranz

Dir, o Spartanergrab;

Wir kennen deinen schönen Brauch,

Geliebtes Griechenland,

Und halten unter Myrthen auch

Am blanken Stahl die Hand.

 

Der Name Brutus, der geweiht

In Roma′s Schicksal klingt,

Mit dem die Freiheit kommt und sinkt,

Ist uns ein theurer Eid.

Tyrannenmörder, seid gegrüßt,

Ihr Priester für das Recht,

Ihr Helden, eurem Staub entsprießt

Ein herrliches Geschlecht.

 

Wir kennen auch den wackern Tell

Und seines Bogens Kraft,

Wir preisen seine Wissenschaft

Vor jedem Waidgesell:

Freiwillig hat die Jägerschaar

Der Preußen in der Schlacht

Ihr Blut auf heil′gem Sühnaltar

Zum Opfer dargebracht.

 

Noch einen Namen nennt man hier,

Ein heil′ges Losungswort,

Der scheucht allein schon Feinde fort,

Der Deutschen Stolz und Zier,

O Hermann, Hermann werde wach,

Wir haben′s wohl gemeint,

Die Pleiße wie der Rodenbach

Sah fallen Deutschlands Feind.

 

Da schien das junge Himmelslicht

Herab auf rothen Grund.

Auf rother Erde schloß den Bund

Das heimliche Gericht.

So soll uns ewig heißen roth

Dein Boden, theures Land,

Wo man mit Schwert und Henkerstod

Den welschen Feind verbannt.

 

Und wie im alten Testament

Der fromme Pineas

Entbrennt in Eifer und in Haß,

Wie Maccabäus brennt,

Wie Flammen, d′rein der Sturmwind blies,

Erheben wir das Schwert,

Ein Cherub vor dem Paradies

Stehn wir vor unserm Herd!

 

Wie wir nun jetzt verschlungen stehn

Nach einem heil′gen Brauch,

Mag der geweihte Becher auch

Durch unsre Reihen gehn.

Das ist ein vaterländ′scher Wein,

Und Jeder, welcher trinkt,

Schwört, seiner Väter werth zu sein,

Bis er voll Wunden sinkt!



(* 11.12.1783, † 11.12.1817)




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