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Der Scheidenden


Aus dem Tempel willst du fliehen,

Den dir hier die Liebe baut?

Meinen Armen dich entziehen,

Meines Geistes holde Braut?

Richtest du nach deiner Heimat,

Pilgerin, den müden Lauf?

Fleuchst du schon in deinen Himmel,

Schöner Engel, wieder auf?

 

Nein, du weilest noch hienieden

Voll erhabner Gottesruh,

Trägst den Himmel und den Frieden

Nun entfernten Fluren zu;

Willst dem Kranken Labung spenden,

Den der Himmel dir vertraut,

Willst des Lebens dich erfreuen,

Das aus deinen Blicken thaut.

 

Folge denn der schönen Sendung,

Folge nur des Geistes Ruf,

Der zur Krone der Vollendung

Dich mit solcher Schönheit schuf!

Mag ein Andrer deiner Nähe,

Deines Strahles sich erfreun, -

Ach! die Liebe kann entsagen,

Und entsagend selig sein.

 

Schweigen sollen alle Klagen,

Und kein treuer Zephyr soll

Diesen Seufzer zu dir tragen,

Welcher hier der Brust entquoll.

Näher, unaussprechlich näher

Bist du doch, Entfernte, mir,

Und im Geisterreiche schweiget

Jede stürmische Begier.



(* 11.12.1783, † 11.12.1817)




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