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Brief eines Vaters nach Paris


Mai 1814.

 

Höre mich, du Sohn der Eichen,

Deines Landes Stolz und Hort,

Bis in Babels Mauern reichen

Soll das ernste deutsche Wort.

 

Freiheitsheld, ich muß dich schelten,

Dich verblendet falsches Licht,

Freundlichkeit und Großmuth gelten

Nicht im göttlichen Gericht.

 

Schau′, die Alte, die wir hassen,

Welcher flucht die halbe Welt,

Lauert noch in allen Gassen,

Hat auch dir das Netz gestellt.

 

In den Staub war sie gefallen,

Aber ihr erschlugt sie nicht,

Und aus ihren Leichenhallen

Dringet noch ein schwer Gericht.

 

Trunken von der Heil′gen Blute,

An den Ecken, auf dem Stein

Ladet sie im Uebermuthe

Jeden frech zur Buhlschaft ein.

 

Wer die Buhlschaft je getrieben,

Wer aus ihrem Becher trank,

Kann das deutsche Land nicht lieben,

Ist an Ehr′ und Tugend krank.

 

Honigsüß ist ihre Rede

Und gefärbt ihr Angesicht,

Aber biet′ ihr offne Fehde,

Und der Spuk betrügt dich nicht.

 

Sohn, die deutschen Bäume rauschen,

Und die Väter blicken her,

Und die deutschen Mädchen lauschen

Auf die neuste Heldenmär′.

 

Was nicht rein ist, muß nun sterben,

Ewig strahlt das höchste Gut,

Wahre du den freien Erben

Fromm und rein dein deutsches Blut.



(* 11.12.1783, † 11.12.1817)




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