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Prahle nicht!


Prahle nicht mit deiner Schönheit!

Denn du weißt wohl, wie viel Blüthen

Noch bevor der Sommer nahte

Schon verwelkten und verglühten!

 

Prahle nicht mit deinem Reichthum!

Denn wie oft ward er entrissen

Denen, die mit leerer Seele

Ihn nun bitter, bitter missen!

 

Prahle nicht mit deiner Klugheit!

Denn sie kann ja nicht durchdringen

Alle Höhen, alle Tiefen

Und die rechte Wahrheit bringen!

 

Prahle nicht mit deinem Mitleid,

Das zum Wohlthun auserlesen!

Was du dem Bedrängten thatest

Ist nur deine Pflicht gewesen!

 

Prahle nicht mit deiner Reinheit,

Die so frei von jedem Fehle!

Du hast manches wohl verschuldet,

Weiß es auch nicht deine Seele!

 

Prahle nicht mit deinem Hochsinn,

Der das Rechte stets erstrebe!

Darum ward ihm die Vernunft ja

Daß der Mensch nur menschlich lebe!

 

Prahle nicht mit deinem Glück du,

Das die Seele dir umfangen!

Denn wir bleiben immer Staub nur,

Schweben zwischen Hangen, Bangen!

 

Prahle nicht! doch wenn dein Geist dir

Festen Sinn im Kampf bescheerte,

Darfst du rufen: Ich bin reicher,

Reicher, als die ganze Erde!



(* 13.06.1854, † 08.10.1889)




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