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Nachtfrieden


Thaue nur vom Himmel nieder,

Süßer Frieden sink auf mich,

Wie sich in die Augenlider

Einst der Kindheit Schlummer schlich!

 

Laß die Welt mit ihrem Leide,

Laß sie mich vergessen ganz,

Nimm mein Herz und segnend scheide

Es von ihrem Prunk und Glanz!

 

Eitel Thorheit ist ja Alles,

Was die Menge blind umschwärmt,

Thorheit, wie sie lauten Schalles

Ruhlos draußen wogt und lärmt!

 

Lege Du die Zauberschleier

Sachte um die Seele mir,

Daß mein Herz in sel′ger Feier

Ganz sich in sich selbst verlier′!

 

Denken laß mich, traumverloren,

Was ich einst ersehnt, gehofft,

Und was, ach! Noch ungeboren,

Schon in Schaum zerfloß so oft!

 

Sollst mir doch die Brust nicht engen;

Laß der künft′gen Tage Wehn

Ahnend sie entgegendrängen:

Was nicht war, kann noch geschehn! . .



(* 13.06.1854, † 08.10.1889)




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