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Menschenwerth


Nicht, was Du bist

Durch Verstand und List,

Was Dein Besitz

An Weisheit und Witz,

Was an Dich fällt

Vom Gut der Welt,

Nicht, was Du kannst,

Was Du gewannst

An Orden und Würden

Und anderen Bürden,

D′rum Dich mit Schmeicheln

Die Menschen umheucheln,

Sich bücken und neigen

Und freundlich Dir zeigen,

Nicht, wie Dein Gewand

Und der Ring an der Hand,

Nicht die Kleider von Sammt,

Nicht Beruf, noch Amt,

Nicht Geschick und Kunst,

Noch Glück und Gunst,

Nicht Leibesgstalt

Und Macht und Gewalt,

Nicht Ruhmeslicht,

Selbst die Krone nicht,

Die das Haupt Dir schmückt

Und vielleicht auch drückt,

Giebt unversehrt

Dir Menschenwerth. — —

Wie das Herz Dir schlägt,

Was Dich bewegt

 

Mit warmem Gefühle

In des Marktes Gewühle,

Was in Dir ruht

Im Gemüth und Blut,

Was Du hältst und hegst

Und willst und wägst,

Was in Dir erblüht

Und drängt und glüht,

Was tief in Dir

Als der Seele Zier,

Was Du sinnst und denkst,

Wohin Du lenkst

Mit Deinen Gedanken

Ohne Schwanken und Wanken,

Im lebendig entfachten

Dichten und Trachten:

Nach tändelnden Spielen, —

Nach herrlichen Zielen,

In Geistessaaten

Unsterblicher Thaten,

Dich innig bewegend,

Die Menschheit segnend

In friedlicher Weile

Mit ewigem Heile, —

Das giebt Dir den Werth,

Und macht Dich verehrt

Den Ehrenfesten,

Den Edlen und Besten,

Und sie grüßen Dir zu —

Denn das bist Du!



(* 13.06.1854, † 08.10.1889)




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