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Erste Blumen


Erste Blumen, ihr habt immer

Zaubrisch mir den Sinn befangen

In des jungen Frühlings Schimmer,

Sah ich sonder Prunk und Prangen

Stille euch am Wege blühn

Und dem Licht entgegenglühn!

 

Gestern um die Waldesecke

Bog ich, als der Abend kam

Und das Vöglein in der Hecke

Seine neue Wohnung nahm:

O die Freude, als ich wieder

Euch erschaut beim Klang der Lieder! . .

 

Denn ihr kündet ja auf′s neue,

Daß die ew′ge Kraft noch währt

Und Natur in alter Treue

Ihre schönen Kinder nährt,

Ob der Sturm auch auf sie schlug

Und des Todes Fahne trug!

 

Allen Sturm und alle Wetter

Hat ihr mächt′ger Geist verscheucht,

Und wir brauchen keine Götter,

Solang der sich noch nicht beugt:

Als das Licht der Erde liebt,

Solang es noch Frühling giebt!



(* 13.06.1854, † 08.10.1889)




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