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Vber den Abschied einer Edelen Jungfrawen. Vnter eines andern Namen.


Gleich wie zu Sommerszeit wann alles frölich blühet /

Vnnd man sich Wald / Feld / Berg vnnd Thal verjüngen sihet /

Vor aller Blumen Schar / so jrrgend mögen seyn /

Die zarte Lilie leßt blicken ihren Schein:

Es fliegen auff sie zu die Bienen hauffen weise /

Vnd saugen mit Begier die angenehme Speise /

Vnd wohlgeschmackten Safft; sie hebt ihr Haupt empor;

Es gläntzt ihr weisses Kleyd vor allen Blumen vor:

Jhr lieblicher Geruch erfrewet Hertz′ vnd Sinnen;

Man muß ihr günstig seyn / vnd muß sie lieb gewinnen:

Der schöne Zephyrus wird gegen ihr entzünd /

Vnd weht auß Huld jhr zu den süssen Liebeswind.

Bald kömpt der scharpffe Nord gantz vnverhofft gebrauset

Quer vber Feld daher / pfeifft / heulet / singt vnd sauset /

Vnd nimpt die Lilie mit Vngestümme hin;

Die liebliche Gestalt bricht nichts nicht seinen Sinn.

Das grüne Feld beginnt vmb seine Zier zu trawren /

Die andern Blumen auch muß jhre Schwester tawren /

Die Bienen fliegen selbst vor Schmertz vnd Trawrigkeit

Verjrrt jetzt hin / jetzt her / vnd tragen grosses Leyd.

So bistu auch zuvor / du schöneste / gewesen /

Du stirbst / durch welch′ ich mir verhoffte zu genesen /

O du mein Trost zuvor: jetzt bistu nackt vnd bloß /

Vnd kriegest einen Sarch vor deines Liebsten Schoß.

Du weisse Lilie / du Spiegel aller Tugend /

In deiner besten Blüt′ vnd in der grünen Jugend

Kürtzt dir der grimme Tod dein schnelles Leben ab /

Vnd führet dich behend′ auß dieser Welt ins Grab.

Doch bistu nun von jhr vnd jhrer Noth gerissen;

Ich muß hier ohne dich in Qual vnd Trawren büssen;

Ich wall′ im weiten Meer / in Wellen aller Noth.

Du bist tod lebendig / ich bin lebendig tod.



(* 23.12.1597, † 20.08.1639)




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