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Beschluß Elegie.


Das blinde Liebeswerck / die süsse Gifft der Sinnen /

Vnd rechte Zauberey hat letzlich hier ein End′:

Es wird das lose Kind so mich verführen können /

Gott lob / jetzt gantz vnd gar von mir hinweg gewendt.

Nun suche wo du wilt dir anderwerts Poeten;

Hier / Venus / hab′ ich mir gesteckt mein eignes Ziel;

Es ist mir deine Gunst jetzt weiter nicht von nöthen;

Ich haß′ all′ Eitelkeit; es liebe wer da wil.

Was meine schwache Hand vor dieser Zeit geschrieben /

Durch deinen Geist geführt / das ist der Jugend schuld;

Ich werde weiter nicht von solcher Lust getrieben;

Was dir gehässig ist zu diesem trag′ ich huld.

Wann Vrtheil vnd Verstand bey mir zu rathe sitzen /

So hattest du mir zwar bethört den jungen Sinn:

Jetzt seh′ ich daß dein Sohn sey ohne wahn vnd Witzen /

Du aber / Venus / selbst ein′ edle Kuplerinn.

Dein Wesen ist ein Marckt da Leid wird feil getragen /

Ein Winckel da verdruß vnd Wehmuth jnnen steht /

Ein′ Herberg′ aller Noth / ein Siechhauß vieler Plagen /

Ein Schiff der Pein / ein Meer da Tugend vntergeht.

Wo soll die Schönheit seyn / wann alles wird vergehen /

Die Lippen von Corall / diß Alabaster Bild /

Die Augen so jhr seht gleich als zwo Sonnen stehen /

Der rothe Rosenmund / der weissen Brüste Schild?

Sie sollen / vnd wir auch als Asch′ vnd Staub entfliehen /

Vnd allzugleiche gehn den Weg der Eitelkeit:

Pracht / Hoffart / Gut vnd Geld / vmb das wir vns so mühen /

Wird Wind vnd Flügel noch bekommen mit der Zeit.

Ich laß′ es alles stehn: das Ende meiner Jugend /

Vnd Frucht der Liebeslust beschließ′ ich gantz hierein:

Ein Werck das höher ist / der Anfang meiner Tugend /

Ob dieses gleich verdirbt / soll nimmer sterblich seyn.



(* 23.12.1597, † 20.08.1639)




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