Ich geh′ auf stillen Wegen

Frühtags ins grüne Feld,

Wie lacht mir da entgegen

Die junge Morgenwelt!

 

Wohl tausend Blüthen schauen

Von Wald und Wiesen her,

Die alle tropfig thauen

Von edlen Perlen schwer.

 

Ich brech′ mir ein Geschmeide

Von nassen Rosen ab:

Wärst du an meiner Seite,

Von der geträumt ich hab′!

 

Ich hing dir′s in die Locken

Als deinen Hochzeitkranz --

Da geh′n die Morgenglocken,

Ich steh′ in Thränen ganz.

 


Das Gedicht "Morgengang" stammt von (* 1839-06-18, † 1911-04-01).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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