Herr , der Abend macht uns bange ,

der allmählich uns beschleicht ,

deine Stimme schweigt schon lange

und die Schmach hat uns erreicht .

 

Krieg und Zwietracht allerwege

hat uns tief in Not gebracht ,

daß der Sturm sich endlich lege ,

liegt allein in deiner Macht .

 

Laß die Schmach nicht ewig dauern ,

wir verzagen schon zu sehr ,

daß die Völker nimmer trauern ,

einen Helden schicke her .

 

Send ihn aus als Friedensboten ,

seiner Ankunft harrt die Welt ,

mitten unter die Bedrohten

stelle sein gefürchtet Zelt .

 

Salb ihm gnädig Haupt und Hände ,

Brust und Arm ihm wappne du ,

daß er herrlich es vollende ,

gib ihm deinen Schreck dazu .

 

Wirke du durch seine Werke ,

du in deiner Glorie Licht ,

Gib ihm du der Engel Stärke ,

daß er alle Fesseln bricht .


Das Gedicht "Deutsches Gebet" stammt von (* 1839-06-18, † 1911-04-01).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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