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Kein Frühling mehr


Es sitzt in trauter Zelle

Am Fenster ein Mägdlein bleich

Und schaut hinab in die Welle,

Da rollen zwei Perlen helle

Wohl in das Wasser gleich.

 

Sie hört eine Flöte von weitem,

Sie blickt auf Schilf und Rohr;

Da keimen verlorene Freuden,

Da sprossen vergessene Leiden

Ihr frisch im Herzen empor.

 

"Die Welle rinnt und schäumet,

Grün Laub schmückt wieder den Baum.

Ach, Frühling, hast lange gesäumet!

Nur ist mir, als hätt′ ich geträumet

Ein′n langen, schweren Traum.

 

"Ich weiß, der Lenz schwebt nieder,

Ich weiß wohl: es ist Mai;

Doch kehren dieselben Lieder,

Dieselben Blumen nicht wieder;

Ist alles anders und neu."



(* 30.03.1798, † 18.12.1876)




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