Ich will nicht dein gedenken,

Sollst nicht mehr bei mir sein

In allem meinem Denken,

In meinem ganzen Sein.

 

Die Rose wird gepflücket

Vom Sturm, an einem Tag,

Den Felsen selbst zerstücket

Ein einz′ger Donnerschlag.

 

So will ich′s auch erringen,

Dem Alles ist geweiht -

Schnell soll dies Herz erzwingen

Sich die Vergeßlichkeit!

 

Nicht, wie ja Alles müde

Zu Grabe endlich schwankt,

Nein, wie die Ros′ verblühte,

Und wie der Felsen wankt.

 

So flieh mit einem Schlage

Du Leid, so herb gesinnt,

Dich tödt′ an einem Tage,

Vernunft, der rauhe Wind!

 

Umsonst, umsonst ihr Mühen,

Es trotzt ihr jede Stund -

Nie wird des Herzens Glühen

Besiegt vom weisen Mund!


Das Gedicht "Weiser Vorsatz" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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