Warum, o armes Herz,

Willst du so tief versenken

Dich in Erinnerungsschmerz,

Und weinend nur gedenken

An Alles, was du je

Geliebet und besessen,

Kannst der Enttäuschung Weh

Denn niemals du vergessen?

 

O, sieh auf′s Leben frei,

Als wär′ es eine Bühne:

Am bunten Mancherlei

Zu freuen dich erkühne;

Warum willst du allein

Die Treue stets bewahren?

Mach′ es wie Andre fein,

Lass′ hin, lass′ hin sie fahren!

 

Pflück′ heute dieses Blatt,

Und jene Blume morgen,

Und bist du ihrer satt,

Dann wirf′ sie ohne Sorgen

Hinweg, so hat man dich

Ja weise auch belehret -

Ein Thor nur fraget sich,

Ob er ein Herz verheeret!

 

Genieße, spricht die Welt,

Genieße rasch das Neue,

Wenn′s nicht mehr dir gefällt,

Geh′ von ihm ohne Reue!

Und wahrlich, sie hat Recht,

Drum werde klug mein Herze -

Sei wen′ger warm und ächt,

Verlache und verschmerze!


Das Gedicht "Warum o armes Herz" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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