Wenn Neid das Zeichen nicht gemeiner Seelen,
Vor allen Frauen müßt′ ich dich beneiden!
Du lebtest in des Geistes heil′gen Zeiten,
Da Poesie und Kunst sich neu vermählen;
Du durftest zwischen Myrth′ und Lorbeer wählen,
Doch höchste Lebensfülle zu bereiten,
Wand dir die Muse einen Kranz aus beiden,
Damit der Gattin Wonne könnt′ erzählen
Die Dichterin, die doppelt sie empfunden;
Und als er starb, dem sie sich treu verbunden,
Da war ihr Lied nur seinem Preis geweiht!
O herrlich Loos! erst Poesie zu nähren
An ird′scher Liebe, und dann hold verklären
Sie im Gesange zur Unsterblichkeit!
Das Gedicht "Vittoria Colonna" stammt von Luise Büchner (1821 - 1877).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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