Du weißt es wohl, ich bin kein starker Geist,

Der frei für sich erschafft ein eig′nes Leben,

Kein mächt′ger Baum, sich selbst genug, der wagt

Sein stolzes Haupt hoch in die Luft zu heben.

Ich kann nicht geh′n in selbstgezognen Gleisen,

Und brauche Sterne, die den Pfad mir weisen.

 

Du weißt es wohl, ich bin kein starkes Herz,

Das einsam kann durch′s dunkle Leben ziehen,

Zu Etwas muß es gläubig aufwärts schau′n,

Für Etwas schlagen, zittern und erglühen.

Der Rebe gleicht′s, die nur im Aufwärtsringen

Empor sich kann zu Licht und Leben schwingen.

 

Doch weißt du wohl, wie sehr dies Herz auch braucht

Der starken Hand - sie wird ihm ewig fehlen,

Und wie der Geist auch noch so heiß sich sehnt

Nach seinem Stern - er muß umsonst sich quälen,

Bis gleich der müden Flamme letztem Blinken

Sie todesmatt in sich zusammensinken!


Das Gedicht "Vergebens" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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