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Trauer


Traurig, traurig, o das bist du sehr,

Armes Herz, so freudenlos und schwer!

Doch warum, warum darf ich nicht fragen,

Keine Antwort weißt du mir zu sagen.

 

Weiß der Himmel, warum über ihn

Düstre Wolkenschleier trauernd zieh′n,

Und die Blume, die erst aufgesprossen,

Warum sie der Tod so schnell geschlossen?

 

Weiß der lächelnd heit′re, junge Tag,

Der nur Glück und Freude spenden mag,

Warum kraftlos er muß still erbleichen,

Wenn sich nächt′ge Schatten auf ihn neigen?

 

Weiß die Erde, die in Frühlingspracht,

Wie ein Kind so hold und lieblich lacht,

Warum bald in Winters eis′gem Wehen

Ihre süße Schönheit muß vergehen?

 

Armes Herz und willst du mehr denn sein,

Als der Frühling und der Sonnenschein?

Alles Heitre sinkt zum frühen Sterben,

Allem Schönen nahet das Verderben.

 

Ew′ge Trauer ist Gesetz der Welt,

Nur im Wechsel ist ihr Lust gesellt,

Und je mehr zum Schönen du erkoren,

Um so tiefer wird sie dich durchbohren!



(* 12.06.1821, † 28.11.1877)




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