Es ist vorbei - auch dieser Traum ist aus,

Auch diesen Kelch hat leer das Herz getrunken,

Auch dieser Stern ist in den Staub gesunken -

Hinweg, hinweg - es führt in dieses Haus

Kein Gott mich mehr zurück! Weh′ euren Banden -

Ihr habt mich nie geliebt und nie verstanden!

 

Warum denn locktet ihr mich falsch hinein,

Warum habt meine Seele ihr gebettet

Auf des Vertrauens Pfühl, bis sie gekettet

Sich an euch fest mit ihrem ganzen Sein?

Warum? Da eure Zungen dann bekannten -

Daß ihr mich nie geliebt und nie verstanden!

 

War ich ein Spielzeug nur in eurer Hand,

Ein Zeitvertreib, den Geist euch zu ergetzen?

Ihr labtet euch an meines Herzens Schätzen,

Dann warfet achtlos ihr es in den Sand;

Sprecht, ob von Schaam nicht eure Stirnen brannten -

Die ihr mich nie geliebt und nie verstanden!

 

Ich gehe - nimmer mißt zurück mein Fuß

Die Straße - gehe sonder Muth und Glaube;

Entrüstung hebt empor mich aus dem Staube,

Allein es starb der Freundschaft Genius.

Euch ist nur Wahn, was Andre wahr empfanden -

Mich habt ihr nie geliebt und nie verstanden!


Das Gedicht "Todte Freundschaft" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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