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Sonette (2)


Wollt′ ich vom Herzen fort den Felsen rollen,

Sein tiefgeheimstes Inn′re mir erschließen,

Zum Stein erstarren müßt′ ich dann vor diesen

Medusen, die es schmerzlich wild umgrollen.

Hätt′ ich in Klagen mich erleichtern wollen,

Sie müßten wie ein Strom sich laut ergießen,

Es müßt′ in bitt′ren Thränen mir entfließen

Des Lebens beste Kraft und höchstes Wollen.

Nein, wie ein Räthsel fast soll mich umschweben,

Was so mich drückt und peinigt ohne Schuld -

Wie könnt′ ich sonst mich je zum Glück noch heben?

Blind, taub und schweigend, will ich weiter schreiten,

Und über Alles kalt und ruhig breiten

Die starre Leichendecke der Geduld!



(* 12.06.1821, † 28.11.1877)




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