Wollt′ ich vom Herzen fort den Felsen rollen,
Sein tiefgeheimstes Inn′re mir erschließen,
Zum Stein erstarren müßt′ ich dann vor diesen
Medusen, die es schmerzlich wild umgrollen.
Hätt′ ich in Klagen mich erleichtern wollen,
Sie müßten wie ein Strom sich laut ergießen,
Es müßt′ in bitt′ren Thränen mir entfließen
Des Lebens beste Kraft und höchstes Wollen.
Nein, wie ein Räthsel fast soll mich umschweben,
Was so mich drückt und peinigt ohne Schuld -
Wie könnt′ ich sonst mich je zum Glück noch heben?
Blind, taub und schweigend, will ich weiter schreiten,
Und über Alles kalt und ruhig breiten
Die starre Leichendecke der Geduld!
Das Gedicht "Sonette (2)" stammt von Luise Büchner (1821 - 1877).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
Zur Startseite:
Gedichte