Es giebt so stille Feierstunden

Der Seele, wo sie Alles trägt,

Wo sie trotz allen ihren Wunden

Des Friedens Athem nur bewegt.

 

Wie blieb er lange mir so ferne,

Der Ruhe stiller Zauberkreis,

Wo, gleich dem wandellosen Sterne,

Man nichts von Schmerz und Sehnsucht weiß.

 

Natur, mit deinem milden Segen,

Du bist′s, die mich so sanft umfängt!

Die heute mir auf allen Wegen

Nur Lebensmuth entgegen drängt.

 

Es rauscht der Bach zu meinen Füßen

Mir Ruhe! Ruhe! leis′ in′s Ohr;

Die blauen Berge freundlich grüßen,

Die Bäume flüstern süßen Chor.

 

Und wie die Sonne strahlend lächelt,

Auf jedem Blatt sich glänzend bricht,

Scheint sie von heitrer Lust umfächelt,

Wie hold ein Kinderangesicht. -

 

O bleibe fest in meinem Herzen,

Moment - vom Grame unentweiht;

Sei mir ein Schild für alle Schmerzen,

Ein Balsam jedem ferner′n Leid!


Das Gedicht "Segen der Natur" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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