Der Schläfer, der im Grase träumend liegt,

Bis hoch am Himmel schon der Sonnenwagen,

Er kann, wenn dann empor sein Auge fliegt,

Des Lichtes helle Klarheit nicht ertragen,

Es blendet ihm wie Fackellicht die Augen,

Die, weggewandt, nicht mehr zum Sehen taugen.

 

Nicht so der Andre, der vom Morgengrau′n

Mit wachem Auge folgt des Lichtes Spuren,

Ihn blendet′s nicht, er kann es offen schau′n,

Wenn rings sein Schimmer strahlt auf allen Fluren;

Am Quell des Lichtes darf er furchtlos hangen,

Der nie verwirrt, wer stets ihm nachgegangen.

 

O du, der Wahrheit und Erkenntniß sucht,

So streb′ ihr nach vom ersten Tagesgrauen,

Daß nach und nach dir reift der Klarheit Frucht,

Daß aus dir selber wächst die Kraft zum Schauen!

Denn Wahrheit, die die Geister selbst erwerben,

Wird nie zum Unheil ihnen und Verderben!


Das Gedicht "Rechtes Streben" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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