Wenn diese Stirne trüb der Gram umdüstert,

Und unter Thränen nur die Stimme flüstert,

Wer fragt darnach?

Wer fragt darnach, warum dem bleichen Munde

Kein Lächeln mehr entlockt die frohe Stunde,

Nur Seufzer schwach?

 

Die Schmerzen, die dies arme Herz durchbeben,

Der Täuschung Qualen, die den Busen heben,

Wer fragt darnach?

Wer sucht der Trauer dunklen Blick zu deuten,

Der ohne Wort enthüllt der Seele Leiden,

Wen kümmert′s, ach?

 

Wenn sich der Tod auf diese Augen breitet,

Die lang′ das Herz um seinen Tod beneidet,

Wer fragt darnach?

Mit einmal schwindet bei des Morgens Schaue

Der Sterne Heer - wer blickte je voll Trauer

Dem Einen nach?


Das Gedicht "Lieder (3)" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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