Im schmerzlichsten Gefühle

Schwankt in mir Sinn und Denken,

Und spottet aller Kühle,

Die sich, wie es auch blutet,

Dies Herz hat zugemuthet.

Wohin soll es sich lenken?

Wo ist der Wahrheit Helle,

Die jene Zauberstelle,

Der Freud′ und Weh′ entstammt,

Ihm zeigt in ganzer Klarheit,

Ob Trug dort, oder Wahrheit

Verderbend oder segnend flammt?

 

So bricht des Zweifels Schwüle

Der Seele ganze Kraft,

Die zum Vertrau′n geboren;

Im schmerzlichsten Gewühle

Fühlt sie sich selbst entrafft

Und wie zum Tod erkoren! -

So schwankte Phaëthon′s Wagen

Auf seiner irren Bahn:

Bald stürmt′ er ohne Zagen,

Vertrauend himmelan,

Bald reißet ihn zurücke

Der Erde kalter Neid,

Sie hat in ihrer Tücke

Für ihn den Tod bereit;

In namenlosem Schmerze

Ruft er herbei ihn laut -

O, Herz, mein armes Herze!

Hast du dein eigen Bild geschaut?


Das Gedicht "Im schmerzlichsten Gefühle" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte