Trüb′ die Sonne hinter Wolken steht,
Feucht der Westhauch über Stoppeln weht,
Herbstesöde ruht auf dem Gefild,
Herbstesöde - meiner Seele Bild!
Müßt ihr Fluren auch entlaubet steh′n,
Einen Frühling habt ihr doch geseh′n,
Eines Sommerkusses Gluth gefühlt,
Eh′ euch kalter Todeshauch durchwühlt.
Ach! mir hat kein Frühling noch gelacht,
Keine Blüth′ entsproß des Herzens Nacht,
Und es naht kein heißer Sommertag,
Der mit glüh′ndem Kuß sie lichten mag.
Frühling kehrt zurück mit jungem Grün,
Blumen über Gräbern neu erblüh′n;
Frühling! heil′ des müden Herzens Noth,
Glückesblüthen gib′ ihm, oder Tod!
Das Gedicht "Herbstesschwere" stammt von Luise Büchner (1821 - 1877).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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