Still mußt du werden, pochend Herz,

Still wie der Stern am Himmelszelt,

Wie er, mußt unberührt du steh′n

Vom nicht′gen Treiben dieser Welt.

 

Still mußt du werden wie der Fels,

An dem sich wild die Brandung bricht;

Ob auch ein Schifflein jach zerschellt

An seinem Fuß, er fühlt es nicht.

 

Still mußt du werden wie der Schwan,

Der lautlos schwimmt den See dahin,

Wie einsam er die Fluth zertheilt,

Mußt du des Lebens Kreise zieh′n.

 

So stolz mußt steh′n du, so allein,

Dann wirst du froh und glücklich sein./

Doch ach! du seufzest leise: nein,

Nicht froh, nicht glücklich werd′ ich sein!

 

O, ich versteh′ dich, glühend Herz,

Zu heiß liebst du das Leben noch,

Trotz seinen Schmerzen, seiner Qual,

Trotz seiner Noth liebst du es doch.

 

So schlag′ in Menschenleid und Lust,

So dulde denn und klage nicht,

Sei einsam eher nicht und kalt,

Nicht still, als bis der Tod dich bricht!


Das Gedicht "Guter Rath" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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