Es kam der Frühling mit Herrschermacht,

Da wollt′ ich ein Lied ihm singen;

Er strahlte so hold in lieblichster Pracht -

Wie sollt′ es da nicht gelingen?

 

Ich sah mir die Blüthenbäume an,

Dran alle Knospen gesprungen,

Sie waren gleich Bräuten angethan,

Von Schleier und Myrth′ umschlungen.

 

Es nickten Blumen an jedem Steg,

Als ob sie selber sich streuten

Den schlanken Bräuten auf ihren Weg,

Beim Maienglockenläuten.

 

Die grünen Blätter im Buchenhain,

Umhaucht von weißem Gefieder,

Sie flüstern in alle Welt hinein

Die süßesten, wonnigsten Lieder.

 

Es lauschet den Tönen die Lerch′ im Feld,

Es lauschen die Nachtigallen,

Aus Blüthensträuchern, vom Himmelszelt

Klingt wieder das fröhliche Schallen.

 

O, Frühling! Frühling! so hold und licht!

Fast will mir das Herz zerspringen!

Du - selbst der Schöpfung höchstes Gedicht,

Wer könnte dich würdig besingen?


Das Gedicht "Frühlingslied" stammt von (* 1821-06-12, † 1877-11-28).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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