Du schöner Frühling, o, wie lieb′ ich dich!

Mehr als der Bräutigam die holde Braut;

Er weiß, sie wird ihm einstens angetraut,

Doch ich muß lieben dich mit Furcht und Beben,

Kaum da, fliehst du mit Windesschnelle mich

Und nimmst mir mit, das kaum erweckte Leben -

 

Du schöner Frühling, o, wie lieb′ ich dich!

 

Du schöner Frühling, sei, o sei mir hold!

Spiel′ um die Stirne mir mit süßem Hauch,

Und küsse mir den Thau vom müden Aug′!

Im Winter wächst die Qual bedrängter Herzen,

Des Lebens Schatten steh′n in seinem Sold;

Du kommst, ein Lächeln - es entflieh′n die Schmerzen,

 

Du schöner Frühling, sei, o sei mir hold!

 

Du schöner Frühling, meiner Seele Lust!

Mein schauernd Herz will ewig dir sich weih′n,

Es blieb dies Herz stets einsam und allein.

Nie mocht′ ein Menschenauge mich beglücken

So tief in Lieb′ und seligem Entzücken,

 

Als ich in deines Himmels Bläue seh′!

 

O, nimmer täuschest du! du kehrest wieder

Und neue Schönheit, neu erwachte Lieder

Verscheuchen jedes Leid und jedes Weh!

Zum Himmel wirst du immer neu mich heben,

In ew′ger Jugend werd′ ich mit dir leben,

Verblich der Locke Braun auch längst in Schnee!

 

Du schöner Frühling, ewig lieb′ ich dich!


Das Gedicht "Frühling" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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