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Die Mondesbrücke


Schweigend ruht des Rheines Spiegel,

Golden schwebt der Mond darüber,

Senket aus den blauen Höhen

Eine Strahlenbrücke nieder.

 

Und sie taucht die lichten Pfeiler

In die tiefe, dunkle Welle,

Daß vor Wonne leise bebet

Glanzumwoben ihre Schwelle.

 

Dampfumhüllet, schwarz und nächtig,

Kommt das Schiff einhergeflogen,

Schneidet brausend mitten innen

Durch der Brücke goldnen Bogen.

 

Die so stille und so prächtig

Festgezimmert hat gestanden,

Ist zertrümmert, ist zerborsten

In unzählige Demanten.

 

Zuckend fliegen sie wie Blitze

Ueber die bewegten Fluthen,

Wo der heit′re Bau sich wölbte,

Wogt ein wildes Meer von Gluthen.

 

Ach! so zieht durch eine Seele

Oft das Schicksal schwarz und mächtig,

Das in′s Leben schlug die Brücke

Auch so golden, froh und prächtig!

 

Aber sieh - das Schiff enteilet,

Ruhe deckt die Wasser wieder,

Und auf′s Neue hell und golden

Senket sich die Brücke nieder.

 

Wie versöhnet, ihre Strahlen

Wieder in einander rinnen,

Ahnet Niemand, daß sie eben

War zerschnitten mitten innen.

 

Armes Herz! dem so gewaltsam

Ward der goldne Bau zersplittert,

Daß es mild erbebend schläget,

Von dem tiefsten Weh durchzittert;

 

Reicher, goldner als die Brücke

Strahlest du nach deinen Wunden,

Hast versöhnt und ganz dich wieder

In dir selbst zurecht gefunden!



(* 12.06.1821, † 28.11.1877)




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