Der Morgen graut im heim′schen Abendlande,

Ein Kauffartheischiff naht dem sich′ren Port,

Des Kaffees Frucht von jenes reichen Pflanzers

Plantagen trägt es wohlverwahrt an Bord;

Gepackt in Säcke, die das arme Mädchen

Mit den Genossen trauernd hat gewebt,

An jedem eine bitt′re Thränenquelle,

An jedem banger Schrei nach Freiheit klebt!

Und sieh, wie man auf Gräber Blumen pflanzet,

So, auf die rauhen Säcke, sonst verkannt,

Streut wie versöhnend tausend bunte Blüthen

De weißen Frauen kunstgeübte Hand. -

Der Thränen Spur, wohl ist sie auszutilgen,

Doch ach, ihr Quell rinnt stets noch unversiecht!

Soll das Geweb′ nur sich mit Blumen schmücken,

Indess′ im Sclavenbann der Weber liegt?

 

O, möchten Bürge diese Kränze werden,

Daß Allen bald der Freiheit Krone winkt,

Daß auf den Schätzen, die der West uns sendet,

Nicht mehr des Schwarzen bitt′re Thräne blinkt,

Daß euch, ihr Frau′n, wenn eure Hand behende

Die Nadel führt, die bunten Farben wählt,

Dies rauh′ Gespinnst mit leisen Geisterworten

Nicht mehr der schwarzen Schwestern Leid erzählt!


Das Gedicht "Der Sclavin Teppich (2)" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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