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Charfreitag


Charfreitag ist′s - da trauert

Die ganze Christenheit,

Ich traure mehr als die Andern,

Mein Herz trägt doppelt Leid.

 

An diesem Tag der Schmerzen

Ein theures Herz mir starb,

Das beste und das treuste,

Das ich im Leben erwarb.

 

O, Christenheit, du trauerst

Nach heilig-frommem Brauch,

Weil dich noch sanft umwehet

Des Einz′gen Geisteshauch.

 

Wie aber muß ich klagen,

Die ich den Stern geseh′n,

Die Blumie, die so frühe

Zur Ruhe mußte geh′n;

 

Die ich den Geist vernommen,

Der von den Lippen quoll,

Die ich dies Herz besessen

Der reinsten Liebe voll.

 

Ein Stück von meiner Seele

Mit ihr zu Grabe zog,

Ein Stück von meinem Geiste

Mit ihr von dannen flog,

 

Ein Stück von meinem Herzen

Deckt wieder dunkles Land,

Weil sie allein von Allen

Es ganz und gar verstand.

 

Charfreitag - düstrer Freitag,

Bei deinem Glockenklang

Mag manches Herz erbeben

Und schlagen schwer und bang,

 

Mag manche Thräne fließen,

Und mancher Seufzer weh′n,

Doch Niemand kann dir trüber

Als ich in′s Antlitz seh′n!



(* 12.06.1821, † 28.11.1877)




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