Ob ich dich liebe, wolltest du mich fragen -

Und was ich liebe, will ich treu dir sagen:

 

Das Blümchen lieb′ ich, das die würz′gen Düfte

Ausstreuet in die lauen Frühlingslüfte,

Und doch sich tief verbirgt im dunklen Moos -

Kein Auge sieht der Heimath stillen Schooß.

 

Den See auch lieb′ ich, deß krystallner Quell

Dem Blick sich öffnet bis zum Grunde hell,

Auf dessen Spiegel sich in sanftem Licht

Getreu des Himmels milder Abglanz bricht.

 

So lieb′ ich auch der Jungfrau still Gemüth,

Das nur für Schönes, Heiliges erglüht.

Das fromme Herz, das muschelfest umschließt

Den reinen Kern, dem Reines nur entsprießt. -

 

Nun weißt du was ich liebe, denke nach,

Ob ich, Marie, dich wohl lieben mag.


Das Gedicht "An Marie" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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