Leise wie ein Traumgesicht

Hält Erinn′rung mich umfangen,

Leise, wie die Morgenluft

Mir umspielet Stirn und Wangen.

 

Und der klare, blaue See

Blickt mich an wie Menschenaugen,

Daß ich möchte tief hinab

Mich in seine Fluthen tauchen.

 

Und der Alpenspitzen Glanz

Blickt mich an wie Menschenherzen,

Die so schroff und eisig kalt

Lohnen dem mit tausend Schmerzen,

 

Der sich ihnen froh genaht,

Da im ros′gen Alpenglühen

Sie, von fremdem Licht umstrahlt,

Schienen lebenswarm zu blühen.

 

O, Erinn′rung! flieh′ hinweg

Von den falschen Alpenhöhen,

Wasche in der blauen Fluth

Dich gesund von allen Wehen!

 

Such′ in ihrem feuchten Glanz

Jener Augen treue Klarheit,

Die du frei noch lieben kannst,

Und die stets dir blickten Wahrheit!


Das Gedicht "Am See" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte