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Am See


Leise wie ein Traumgesicht

Hält Erinn′rung mich umfangen,

Leise, wie die Morgenluft

Mir umspielet Stirn und Wangen.

 

Und der klare, blaue See

Blickt mich an wie Menschenaugen,

Daß ich möchte tief hinab

Mich in seine Fluthen tauchen.

 

Und der Alpenspitzen Glanz

Blickt mich an wie Menschenherzen,

Die so schroff und eisig kalt

Lohnen dem mit tausend Schmerzen,

 

Der sich ihnen froh genaht,

Da im ros′gen Alpenglühen

Sie, von fremdem Licht umstrahlt,

Schienen lebenswarm zu blühen.

 

O, Erinn′rung! flieh′ hinweg

Von den falschen Alpenhöhen,

Wasche in der blauen Fluth

Dich gesund von allen Wehen!

 

Such′ in ihrem feuchten Glanz

Jener Augen treue Klarheit,

Die du frei noch lieben kannst,

Und die stets dir blickten Wahrheit!



(* 12.06.1821, † 28.11.1877)




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