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Apoll und Dafne


Apoll, der gern nach Mädchen schielte,

wie Dichter thun,

sah einst im Thal, wo Schatten kühlte,

die Dafne ruh′n.

 

Er nahte sich mit Stutzertritten,

mit Ach und Oh,

als Dafne schnell mit Zephirschritten

dem Gott entfloh.

 

Sie flog voran; Apollo keuchte

ihr hitzig nach,

bis er die Schöne fast erreichte

am Silberbach.

 

Da rief sie: Rettet mich, ihr Götter!

Die Thörin die!

Zeus winkt und starre Lorbeerblätter

umfliegen sie.

 

Ihr Füßchen, sonst so niedlich, wurzelt

im Boden fest;

Apollo kömmt herangepurzelt

und schreyet: Pest!

 

Dann lehnt er seine Wangen

ans grüne Holz:

Jüngst eine Nimfe, sein Verlangen,

der Nimfen Stolz!

 

Er girrt ein Weilchen, sinnt, und pflücket

sich einen Kranz,

der seine blonden Scheitel schmücket

bey Spiel und Tanz.

 

Du arme Dafne! Tausend pflücken

nun Kränze sich

von deinen Haaren, sich zu schmücken!

Du dauerst mich!

 

Die Krieger und die Dichter zausen

in deinem Haar,

wie Stürme, die den Wald durchbrausen!

Die Köche gar!

 

Ja, ja, die braunen Köche ziehen

dir Locken aus,

zum lieblichen Gewürz der Brühen

beym Hochzeitsschmaus!

 

Laßt, Mädchen, euch dieß Beyspiel rühren,

das Warnung spricht,

und flieht, solang′ euch Reitze zieren

uns Dichter nicht!



(* 21.12.1748, † 01.09.1776)




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