am Abende des 12. November 1848

 

Wilde kriegerische Klänge

Tönen in die Nacht hinaus,

Schweigend harrt des Volkes Menge

Vor dem königlichen Haus;

Manches Auge blitzt in Thränen,

Manche Faust ist wuthgeballt;

Ob der frevelnden Gewalt

Knirschen Kinder mit den Zähnen.

Glimm′! o glimm,

Heiliger Grimm!

Bleiches Mondlicht strahlt hernieder

Auf die haßentbrannte Welt; -

′s ist derselbe Mond, ihr Brüder,

Der die Märznacht einst erhellt;

Kommt es heut zum Kugelregen:

Hält der Tod sein Sichelfest,

Und dem letzten Überrest

Gibt das Fallbeil seinen Segen. -

Noch ist von Groll

Das Maaß nicht voll. -

Erst des Landes Stimme hören

Will der friedliche Convent;

Bald wird sich das Land empören

Gegen Wrangels Regiment;

Drum voran mit edlem Stolze,

Bannerträger in Berlin!

Mag der Thron in Flammen glühn!

Denn er ist von faulem Holze.

Freiheit und Glück

Gibt Republik!


Das Gedicht "Berlin" stammt von   (1814 - 1871).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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