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Weisse Nelken


Du weiche, duftig-schwüle Blüte,

So seltsam nah mir und vertraut,

Als ob ein Hauch mir im Gemüthe

Wie Wehen deines Athems thaut′!

Dein Hauch ist drängend heisses Quälen,

Wie es mich selbst so wirr durchbebt ...

... Kennst du die Mär der Kinderseelen -

Der Seele, die in Blumen lebt. -

Und die, erwacht zu Daseinsschmerzen,

Noch Blütenodem mit sich bringt,

Dass es ihr oft im tiefsten Herzen

Wie duftiges Erinnern klingt ...?

Wenn ich dich schau′ ... in halbem Bangen

Denk′ ich der schaurig-süssen Mär ...

Hab′ ich von dir das Glutverlangen

Von dir die kranke Seele her ...?



(* 27.04.1877, † 03.02.1897)




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