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Von meiner Seele


An jenem Tag erschuf Er meine Seele -

Gewittersturm zerwühlte grell die Luft

Und Blitze rissen feuerhelle Pfade

Aus dumpfer Nacht in lichte Ewigkeit ...

An jenem Tag erschuf Er meine Seele

Und formte sie unendlich gross und schwer,

Liess Donnerstimmen brausend sie durchschüttern

Und kühne Blitze züngeln ätherwärts ...

Goss von des Morgens trunk′nen Sonnenflammen

Viel trunk′nes himmelklares Gold hinein -

Und auch den Duft von fremden, stillen Kelchen,

Und blasse Töne ... dämm′rig ... traumesweich ...

Dann hauchte Er ihr seinen Odem ein

Und sandte sie hinab ...

An jenem Tage,

Von Gottesodem, Gottesglanz geschwellt

Sank sie hinab auf gottesferne Erde

Und sank ... doch weh! da starrte ihr im Weg

Vielleicht ein Fels - vielleicht ein menschlich Wesen -

Da klirrte sie und stöhnte und zerriss -

Und von der grossen, sonnenschweren Seele

Ward mir ein kleiner wunder Theil geschenkt!

Ihr blieb die Ahnung weiter Lichtmyriaden

Und abgrundtiefes, banges Heimweh nur ...

Von jenem Donner blieb ihr ... dumpfes Grollen ...

Tiefdunkler, zornig ungestümer Trotz ...

Von jenem Blitz zuckt rastlos irres Flackern

Und kühnes Fragen, dem die Antwort fehlt.. .

Denn ach! der Einblick in die grosse Helle

Gieng mir verloren mit dem Seelenglied.

Und Sonne blieb als brennendes Verlangen

Und Durst nach allem, was da strahlend ist.

Daher das Stürmen - aufwärts - Gottberauscht -

Daher das Sinken, - flügellahm - verzweifelt ...

Drum grollt und stürmt und schmerzt die Seele mich

Und kalter Hochmuth presst um sie sein Gitter,

Dass niemand ahne, was darinnen gährt.

In ihrem tiefsten, nachtumflorten Grunde

Bebt etwas auch von jenem Blumenhauch ...

Ein flüchtig Düften ... flüchtig scheue Thränen

Und scheuer Durst nach Liebe ... Liebe ... Liebe!

So kindhaft weich, fromm, schmiegsam ... hingegeben

Geschloss′nen Aug′s ... in Seele aufgelöst.

Ich fühl′ das selten ... nur in Dämmerstunden

Bei Geigenklang, bei bangem Fliederduft ...

Da kommt ein weinend Wünschen über mich,

Nach meiner Seele losgeriss′nem Flügel,

Aus allen Fasern strömt ihm Heimweh nach,

Das alte Heimweh ... unfassbar und trostlos ...



(* 27.04.1877, † 03.02.1897)




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