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Une page d′amour


Er liebte sie mit trunk′nem Lebensfieber ...

Er lechzte, aus dem weißen Feenleib

Ihr tiefstes Räthsel durstig einzusaugen ...

So liebte er, und seine Liebe war

Ein heidnisch Lied und duftete nach Rosen

Und feuchter Erde ...

 

Die er liebte, war

Ein schmächtig Weib mit märchenblauen Blicken,

Und bleicher Hand und dämm′rig blondem Haar,

Und lauter Duft, der blaß in Farben schimmert,

Und lauter Psyche war sie und Musik ...

Sie liebte ihn mit scheu erhob′nen Augen,

Mit schmerzlich tiefem, ungesproch′nem Drang

Zu Füßen ihm, die Seele zu verbluten,

Ihr Leben ihm und Blumen hinzustreu′n ...

In glückgeschwellter, betender Ekstase.

So liebte sie ... Und ihre Liebe war

Wie Glockenton und duftete nach Äther

Und Weihrauch ... Aber er verstand sie nicht.

Und endlich kam der Tag, der sie vereinte,

Und endlich kam die Nacht ...

 

Ein Junimond

Sah weit und sinnend in den schwülen Garten

Und perlte lichte Thränen in den Fluß,

Und weinte auch in den Akazienästen,

Die wirr entbrannt in weißen Phantasien.

Der heiße Mann stand nah′ dem Flußgelände

Und preßte wild das weiße Weib an sich -

- Wie kalt du bist, mein schönes Weib!« -

 

»Mich fröstelt!« ...

- »O, hörst du nicht, wie lauer Abendwind

Mit jenen Zweigen kost? Er küßt die Blüten,

Sie flattern ihm zu Füßen, liebeschwer ...

Der Abendwind und jene Blüten lieben -

Wie du und ich!«

 

Sie schüttelt den Kopf:

- »Ich hör′ ihn anders ... sieh′ der Abendwind

Liebt all die weite Schöpfung, darum irret

Er ewig rastlos, darum sehnt er sich,

Der Schöpfung Märchenseele auszutrinken ...

In schauernd tiefer, unentweihter Liebe ...

Weil sie einander ewig Räthsel sind,

Wie du und ich!«

 

Doch er rief angstvoll, drohend:

»O, du bist krank! Bei dir ist die Natur

Zu wolkenfeinem Seelenhauch verflüchtigt!

Ich heil′ das Leid. Komm′, folge mir ins Haus!

Ich bin ein Mann mit athmend schnellen Pulsen,

Und ford′re Mannesrecht ...« Sie zuckte auf,

Mit fremder Stimme flehend: »Eine Frage!«

- »Gewiß, du seltsam Weib. Bin ich es nicht,

Der alle Räthsel für dich lösen soll?«

Und zitternd frug sie: »Auch das große Räthsel

Der reinen Liebe, ewig unentweiht?«

Ihr Auge sprühte Geisterglanz ... ihm graute ...

»Und weißt du,« frug sie, »daß es Liebe gibt,

Die nicht im Krampf der warmen Glieder glutet, -

Die himmlisch ist und Seel′ an Seele zieht

In körperloser, ewiger Verschmelzung?«

Er sagte stammelnd: »Schönes, blasses Weib ...

Ich wollt′ dich ja so gerne glücklich machen ...«

- Ein Jubelschrei ... sie faßte das Gelände -

»Mir nach, Geliebter! ...« Weh! Und sie verschwand.

Er stürzte nach, und beide sanken, sanken

In unentweihter, ewiger Umarmung ...

Rings wieder stille; leise wob die Nacht,

Der Mond goß lichte Perlen auf das Wasser,

Und sehnend trank der irre Abendwind

Der weiten Schöpfung ew′ge Märchenseele ... -



(* 27.04.1877, † 03.02.1897)




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