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Sehnsuchtslied


Blass und klingend fiel die Sonne

In das morgenfeuchte Laubnetz ...

Aus den Ranken, blass und klingend,

Schwebte licht ein wehes Lied.

Sehnsuchtswirr und qualvoll zärtlich, ...

Ängstlich schauernd vor dem Leben,

Und mit tausend feinen Fasern

Durstig doch nach Leben lechzend ...

Durstig nach dem Ungelebten,

Das im weiten Liladuft liegt ...

Aus den Ranken, blass und klingend,

Schwebte licht ein weisses Wehlied,

Und es sang von einem Garten,

Den die Sonne schmeichelnd einspinnt, ...

Wo aus grossen Blumenkelchen

Dunkle Rosenträume aufblüh′n ...

... In der Ferne, kindisch kosend,

Plaudert eine liebe Spieluhr.

Über allem, liladuftig,

Webt ein weiter Sommerhimmel,

Und ein flüchtig süsses Hauchen ...

... Feuchter Flieder, weisse Rosen ...

Und von stiller, blonder Freude,

Und das Ungelebte, Liebe ...

Sehnsuchtswirr und qualvoll zärtlich

Klang das alte Lügenmärchen,

Und ich sog es ein, verdurstend,

Und ich weiss doch - niemals! niemals -



(* 27.04.1877, † 03.02.1897)




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