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Hellgrün


Das war ein fröstelnd banger Abend damals ...

In Hildgards Zimmer. Aus dem Steinkamin

Glitt röthlich Flackern über seid′ne Decken

Und Sammt und Schleifen ... Alles wellengrün,

Wie Wasser, das in Lunas Kuss vereiste,

So kühl und hell und herzlos wellengrün.

Am Sofa sie. In Falten reich und rauschend

Fiel schwermüthig′ das weisse Kleid hinab

Und milde Perlen flossen durch die Haare -

Das mondscheinblonde, weiche Frauenhaar,

In dessen Netz ich mich verstrickt ... zu Tode -

Sie wusste, dass mich Perlen traurig machen,

Und darum trug sie Perlen ... Ihre Hand

Lag in dem grünen Schaum der leichten Spitzen,

So weiss und willenlos und todesmatt ...

Und in dem Glas die sterbenden Narcissen ...

Verbebend schwellten sie die blasse Luft,

Und dufteten so räthselhaft, so schauernd ...

Und da geschah′s ... ich stürzte vor sie hin

Und sagte ihr - was die Narcissen hauchten ...

Und sagt′ ihr alles ...

 

Hildgard blickte auf.

Ihr schönes Antlitz, schön und kalt wie immer;

Und ich zerquälte mich, die weissen Runen

In Hildgards Antlitz zu versteh′n, und schwieg

Und harrte zitternd ... Da durchklirrte gellend

Ihr silberweisses lautes Lachen mich ...

- »Was sagst du ... Glück und Liebe? weisst du noch nicht

Du thör′ger Knabe ... dass das Märchen sind?«

Dann ward sie still und fragte traurig leise:

»Und weisst du nicht, dass Hildgard niemals liebt,

Weil sie nicht lieben kann?« - Ich schluchzte grollend:

»Was lässt du mich zu deinen Füssen knie′n

Und glüh′n und bluten? ... weisst es doch schon lange -

Mein Gott - so lang!« ... Sie sah mich spöttisch an:

»Warum? Mon Dieu! Weil ich Narcissen liebe,

Und alles, was die lange Zeit betäubt!

Et pourquoi pas, mon Dieu, si cela m′amuse?!...«



(* 27.04.1877, † 03.02.1897)




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