Nach oben

Héliotrope


In deines Zimmers trauter Dämmerhelle ...

Die Luft gekost von rother Lichteswelle,

Und drin erzittern fromme Kinderlieder

Und feiner Duft von vollem, feuchtem Flieder,

Und Vasen, Ampeln, Kissen athmen schwer

Ein räthselhaftes: »Es ist lange her ...«

Und all das Tiefe, das du je erlebt,

In den verschwiegen dunklen Nischen webt,

Und von den Thränen, die du weinst so leicht, -

Sind Farben rings und Klänge matt verbleicht,

Dass sie das Haupt mit stiller Nacht umspinnen ...

Ich war bei dir; in qualvoll wehem Sinnen

Sog ich den fernen, feinen, frommen Hauch

Und lächelte und litt unsäglich auch ...

Du sahst so lieb und zärtlich auf zu mir!

Du ahntest nicht, wie ich so ferne dir.

Die du ein sonnenlichter Frühlingssang,

Der von des Schöpfers frohen Lippen klang!

Ich war bei dir - so nah′ an dich geschmiegt,

Dass ich vom Wohllaut deiner Welt umwiegt, -

Mich deiner Seele süsser Duft umspielte,

Und dass ich schauernd jenen Abgrund fühlte ...

Du sahst ihn nicht ... mein ist das kranke Sehnen,

Die abgequälten, ungeweinten Thränen,

Die sich das Herz zu tiefem Flussbett graben

Und soviel Gift und keinen Namen haben ...

Und fühlst du nicht, wie er sich endlos breitet

Und zwischen uns wie weite Wogen gleitet?

Ein fliederfarbig, ewigweites Band,

Das keine Brücke jemals überspannt ...



(* 27.04.1877, † 03.02.1897)




Bewertung:
0/5 bei 0 Stimmen

Kommentare

  • Noch kein Kommetar vorhanden!