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Die Schwalbe


»O swallow, singing swallow ...« (Swinburne.)

 

Du blaue Schwalbe, kehre wieder!

Lass′ dich in meiner Seele nieder!

Du hattest dir ... so weich und traut

Darin ein Liedernest erbaut,

Als ich dich wild von dannen schlug,

Weil ich dein Lied nicht mehr ertrug ...

Ich hab′ seither soviel gefühlt

Und hab′ dein Nest zerfranst ... zerwühlt ...

Und hast es doch mit frohem Muth

Gebaut aus lichter Sonnenglut,

Aus süsser Thränen Frühlingsthau,

Aus tiefem, frommem Himmelsblau

Und kleinen, scheuen Wiesenblüten ...

Ich hab′ in schmerzlich wildem Wüthen

Dein süsses, dummes Nest verbrannt, -

Da ward die Seele Wüstenland ...

Weil ich ein schön′res Lied gewöhnt,

Nach dem ich weinend mich gesehnt!

Ein Vogel sollt′ - mit goldnen Schwingen -

Mir trunk′ne Märchenlieder singen,

Die mich durchglüh′n wie sinnlos Rasen

Und letzte höchste Glücksekstasen,

Die einem blassen, todten Leben

Erst heisse, schwere Deutung geben ...

Ein Lied, so ätherweit und zart -

Ich habe lange - lang geharrt.

Du blaue Schwalbe! kehre wieder!

Lass′ dich in meiner Seele nieder!

- Du wirst jetzt alles anders finden,

Die Sonnenglut liess ich entschwinden,

Die Frühlingsthränen sind entwichen,

Die Wiesenblüten längst verblichen - - -

Aus rothen Ampeln aber fällt

Ein Licht, das dämmerschwül erhellt,

Aus dunklen Bechern flammt ein Chor

Von Duftgesängen wirr empor,

Und wellengrüne, sammt′ne Wogen

Sind schützend um den Raum gezogen,

Dass mir kein greller Tagesschein

Des frechen Lebens fällt hinein - - -

O Schwalbe, kehrst du nimmermehr?

Ist dir die Luft zu roth - zu schwer?



(* 27.04.1877, † 03.02.1897)




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