Mutter, wozu hast Du Deinen aufgezogen,

Hast Dich zwanzig Jahr′ um ihn gequält?

Wozu ist er Dir in Deinen Arm geflogen,

Und Du hast ihm leise was erzählt?

Bis sie ihn Dir weggenommen haben

Für den Graben, Mutter, für den Graben!

Junge, kannst Du noch an Vater denken?

Vater nahm Dich oft auf seinen Arm,

Und er wollt′ Dir einen Groschen schenken,

Und er spielte mit Dir Räuber und Gendarm

Bis sie ihn Dir weggenommen haben

Für den Graben, Junge, für den Graben!

 

Werft die Fahnen fort!

Die Militärkapellen spielen auf

Zu Eurem Todestanz!

 

Seid Ihr hin?

Seid Ihr hin?

 

Ein Kranz von Immortellen,

Das ist dann der Dank des Vaterlands!

 

Hört auf Todesröcheln und Gestöhne!

Drüben stehen Väter, Mütter, Söhne,

Schuften schwer, wie ihr, ums bisschen Leben.

Wollt Ihr denen nicht die Hände geben?

Reicht die Bruderhand als schönste aller Gaben

Übern Graben, Leute, übern Graben!


Das Gedicht "Der Graben" stammt von   (1890 - 1935).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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