Unsere alte Katze ist verschieden,

War so sanft und gut.

Ach, sie war des Hauses Trost und Frieden,

Und nun liegt sie da in ihrem Blut.

In Gestalt des Lifts kam er geschlichen,

Lautlos, tückisch, flink: der Tod,

Bis sie unter seiner Eisenfaust verblichen,

Und das ganze Treppenhaus war rot.

Nimmer wirst du mehr im Schoß der Herrin schnurren oder schnarren,

Und der Herr, er krault dich nicht von Zeit zu Zeit.

Unterm Schnee wird man dir eine Grabstatt scharren

Nur zwei Schuhe breit.

Aber einst wird die Posaun ertönen,

Wenn der Katzengott zur Auferstehung bläst.

Und du wandelst dann mit vielen schönen

Katern zum erkornen Fest.

Wie behaglich wirst du in das Himmelsbett, des Himmels Bett dich schmiegen.

Mäuse gibt es ohne Zahl und keinen Hund.

Jeden Tag wirst du ein andres Junges kriegen,

Weiß und schwarz und scheckig oder bunt.

Aber unsre Tränen tropfen, und wir raufen

Uns die Haare sonder Ruh.

Zwar man könnte eine andre Katze kaufen,

Aber das wärst doch nicht du.

Was auch Darwin oder Haeckel sage:

Eine Seele hattest du gewiß.

Und so rinnt denn unsre Totenklage

In die uferlose, in die Finsternis.


Das Gedicht "Trauercarmen in memoriam unserer plötzlich heimgegangenen Katze" stammt von   (1890 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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