Nach oben

Sommerbetrachtung


Hier saß ich oft. An diesem grünen Strauch.

Die Rosen blühen heute röter noch.

Die Fuchsien halten ihre Farbe auch.

Es bellt am Zaun der kahle Köter noch.

 

Die Espe zittert, weil es ihr Beruf.

Den roten Pilz betreut der Regenwurm.

Ein Einhorn scharrt versonnen mit dem Huf.

Die Sonne steht als Frau auf einem Turm.

 

Der Sommer herbstelt. Im geharkten Kies

Geht an der Krücke ein geborstner Greis.

Ein Kind spielt Mutter. Und es lächelt leis,

Als ich ihm eine offne Grube wies.

 

Bei jedem Schritte trifft man auf ein Grab

Von Leuten, die noch längst am Leben sind.

O liebstes Herz, dem meinen Leib ich gab:

Wie wohlig weht durch mein Skelett der Wind!



(* 04.11.1890, † 14.08.1928)




Bewertung:
0/5 bei 0 Stimmen

Kommentare

Mit dem Eintragen Ihres Kommentars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer angegebenen Daten gemäß unserer Datenschutzerklärung einverstanden.
  • Noch kein Kommetar vorhanden!