Nach oben

Von der Ehe


Ihr wurdet zusammen geboren,

und ihr werdet auf immer zusammen sein.

Ihr werdet zusammen sein,

wenn die weissen Flügel des Todes eure Tage scheiden.

Ja, ihr werdet selbst im stummen Gedenken Gottes zusammen sein.

Aber lasst Raum zwischen euch.

Und lasst die Winde des Himmels zwischen euch tanzen.

Liebt einander, aber macht die Liebe nicht zur Fessel:

Lasst sie eher ein wogendes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen sein.

Füllt einander den Becher, aber trinkt nicht aus einem Becher.

Gebt einander von eurem Brot, aber esst nicht vom selben Laib.

Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich, aber lasst jeden von euch allein sein,

So wie die Saiten einer Laute allein sind und doch von derselben Musik erzittern.

Gebt eure Herzen, aber nicht in des anderern Obhut.

Denn nur die Hand des Lebens kann eure Herzen umfassen.

Und steht zusammen, doch nicht zu nah:

Denn die Säulen des Tempels stehen für sich,

Und die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten der anderen.



(* 06.01.1883, † 10.04.1931)




Bewertung:
4/5 bei 49 Stimmen

Kommentare

  • Gravatar von Michael
    Michael | rostalskim@yahoo.de
    vor rund 1 Jahr

    Steht zusammen, aber lässt einander die unabhängige Entwicklung - zum besseren gemeinsamen Wachsen. Möge es euch gelingen - das wünsche ich von Herzen!

  • Gravatar von Anja
    Anja | anja1954@gmx.de
    vor rund 3,5 Jahren

    ..ich finde das Gedicht wundervoll. Es passt gerade einmalig in mein Leben..lg Anja

  • Gravatar von Sandra
    Sandra |
    vor rund 5 Jahren

    Wow!
    Wunderbare wahre Worte!
    Danke!