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An einem trüben Tag


Weshalb soll man das Erdenleben lieben

Und diese rauhe Welt voll Harm und Streit,

In welcher Wolken unsre schönsten Tage trüben,

Und Zwietracht alle Harmonie entzweit;

In welcher nur die Außenseite lächelt,

Doch innerlich die Schlang′ verborgen lauscht,

In welcher, wenn der Westwind kosend fächelt,

Gleich hinterher ein rauher Nordwind rauscht;

In welcher Blumen Fallen überdecken,

In die die Unschuld, sich verderbend, stürzt,

In der der Schmähsucht, der Verläumdung Flecken,

Dem Redlichen das saure Leben kürzt?

O, sie ist mir verhaßt mit ihren Spöttern,

Mit ihrem Durst nach Rache, ihrem Zank,

Mit ihrem Lärmen, ihren falschen Göttern,

Mit ihrem prunkend Wohlthun ohne Dank;

Zuwider ist sie mir, mit den Syrenen,

Die schlichte Wandrer bald durch ihren Sang

Anlocken, bald durch heuchlerische Thränen,

Und ihm bereiten seinen Untergang.

O, ihres Lärmens bin ich satt und müde -

Fort mit dem Leben! - sei willkommen, Freund,

Den Tod man nennet, du nur gibst uns Friede,

Und küssest weg die Thränen, die man weint.

Du nimmst von uns den herben Lebenskummer,

Du wiegst uns sanft in deinen Armen ein;

O, laß mich schlafen des Vergessens Schlummer,

Verwandle du die Sinne mir zu Stein.

Ein prachtvoll Denkmal mögen sie mir setzen,

Auf welchem ich als schlanke Bildsäul′ steh′,

Und Genien die Thränenurnen netzen,

Und ich empor zum lichten Himmel seh′.

Am Abend mag sich dann der Sturm erheben,

Und wenn der Wind in Schauertönen grollt,

Wenn alle Bäume bis zur Wurzel beben,

Und dumpf der Donner durch die Wolken rollt,

Dann mögen sie ein Requiem mir singen,

Denn süß und labend wird mein Schlummer sein,

Wenn mich des Todes Arme fest umschlingen,

Und mich nicht störet der Gedanken Pein.



(* 04.11.1801, † 08.03.1877)




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