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Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu


Eine geistliche Cantate.

 

Gott! du wirst seine Seele

Nicht in der Hölle lassen,

Und nicht gestattet, daß dein Heiliger

Die Verwesung sehe.

 

Judäa zittert! seine Berge beben!

Der Jordan flieht den Strand!

Was zitterst du, Judäens Land?

Ihr Berge, warum bebt ihr so?

Was war dir, Jordan, daß dein Strom zurücke floh? –

Der Herr der Erde steigt

Empor aus ihrem Schooß, tritt auf den Fels und zeigt

Der staunenden Natur sein Leben. –

Des Himmels Myriaden liegen auf der Luft

Rings um ihn her; und Cherub Michael fährt nieder,

Und rollt des vorgewälzten Steines Last

Hinweg von seines Königs Gruft,

Sein Antlitz stammt, sein Auge glühet.

Die Schaar der Römer stürzt erblaßt

Auf ihre Schilde: »Flieht, ihr Brüder!

Der Götter Rache trifft uns! fliehet!«

 

Mein Geist, voll Furcht und Freude, bebet;

Der Fels zerspringt; die Nacht wird licht.

Seht, wie er auf den Lüften schwebet!

Seht, wie von seinem Angesicht

Die Glorie der Gottheit strahlt!

 

Rang Jesus nicht mit tausend Schmerzen?

Empfing sein Gott nicht seine Seele?

Floß nicht sein Blut in seinem Herzen?

Hat nicht der Held in dieser Höhle

Der Erde seine Schuld bezahlt?

 

Mein Geist, voll Furcht und Freude, bebet:

Der Fels zerspringt; die Nacht wird licht.

Seht, wie er auf den Lüften schwebet!

Seht, wie von seinem Angesicht

Die Glorie der Gottheit strahlt!

 

Triumph! Triumph! des Herrn Gesalbter sieget!

Er steigt aus seiner Felsengruft,

Triumph! Triumph! ein Chor von Engeln flieget

Mit lautem Jubel durch die Luft.

 

Die frommen Töchter Sions geh'n

Nicht ohne Staunen durch des offenen Grabes Thür;

Mit Schaudern fahren sie zurück. Sie seh'n,

In Glanz gehüllt, den Boten

Des Ewigen, der freundlich spricht:

»Entsetzt euch nicht:

Ich weiß, ihr suchet euern Todten,

Den Nazaräer Jesus, hier,

Daß ihr ihn salbt, daß ihr ihn klagt,

Hier ist er nicht. Die Stätte sehet ihr,

Die Grabetücher sind vorhanden;

Ihn aber suchet bei den Todten nicht,

Es ist erfüllt, was er zuvor gesagt:

Er lebt, er ist erstanden!«

 

»Wie bang hat dich mein Lied beweint,

Ach! unser Trost, der Menschenfreund,

Sieht keinen Tröster, steht verlassen,

Der blutet, der sein Volk geheilt,

Der Todte weckte, muß erblassen!«

So hat mein banges Lied geweint.

 

Heil mir! du steigst vom Grab' herauf.

Mein Herz zerfließt in Freudenzähren,

In Wonne lös't mein Gram sich auf.

 

Wer ist die Sionitin, die vom Grabe

So schüchtern in den Garten flieht, und weinet? –

Nicht lange. Jesus selbst erscheinet,

Doch unerkannt, und spricht ihr zu:

»O Tochter! warum weinest du?«

 

»Herr, sage, nahmst Du meinen Herrn aus diesem Grabe?

Wo liegt er? Ach! vergönne,

Daß ich ihn hole, daß ich ihn

Mit Thränen netze; daß ich ihn

Mit diesen Salben noch im Tode salben könne,

Wie ich im Leben ihn gesalbt.« – »Maria!«

So ruft mit holder Stimm' ihr Freund,

In seiner eigenen Gestalt: »Maria!« –

 

»Mein Meister! ach!« – Sie fällt zu seinen Füßen nieder,

Umarmt sie, küßt sie, weint. –

 

»Du sollst mich wiedersehen!

Noch werd' ich nicht zu meinem Vater gehen,

Steh' auf, und suche meine Brüder,

Und meinen Simon! sag' ich leb' und will ihn sehen.«

 

Freund der schwachen Menschenkinder!

Der Gefall'ne, der Betrübte

Hört von dir den ersten Trost.

 

Tröster der gerührten Sünder!

Die dich suchte, die dich liebte,

Fand bei dir den ersten Trost.

 

Holder Tröster! Menschenfreund!

O! wie wird durch jede Zähre

Dein erbarmend Hertz erweicht!

 

Sagt, wer unserm Gotte gleicht,

Der die Missethat vergiebet?

 

Sagt, wer unserm Gotte gleicht,

Der den Missethäter liebet?

 

Liebe, die du selbst geweint,

O, wie wird durch jede Zähre

Dein allgütig Herz erweicht!

 

Freund der schwachen Menschenkinder

Der Gefall'ne, der Betrübte

Hört von dir den ersten Trost.

 

Tröster der gerührten Sünder!

Die dich suchte, die dich liebte,

Fand bei dir den ersten Trost.

 

Holder Tröster! Menschenfreund!

O! wie wird durch jede Zähre

Dein erbarmend Herz erweicht!

 

Freundinnen Jesu! sagt, woher so oft

In diesen Garten? Habt ihr nicht gehört, er lebe?

Ihr zärtlichen Betrübten hofft

Den Göttlichen zu seh'n, den Magdalena sah? –

Ihr seyd erhört. Urplötzlich ist er da,

Und Aloen und Myrrhen düftet sein Gewand!

»Ich bin es! seyd gegrüßt!« Sie fallen zitternd nieder.

Sein Arm erhebt sie wieder:

»Geht hin in unser Vaterland,

Und sagt den Jüngern an: Ich lebe,

Und fahre bald hinauf in meines Vaters Reich;

Doch will ich alle seh'n, bevor ich mich für euch

Zu meinem Gott und eurem Gott gen Himmel hebe.«

 

Ich folge Dir, verklärter Held!

Dir Erstling der entschlaf'nen Frommen!

Triumph! der Tod ist weggenommen,

Der auf der Welt der Geister lag.

 

Dies Fleisch, das in den Staub zerfällt,

Wächst fröhlich aus dem Staube wieder.

O, ruht in Hoffnung, meine Glieder!

Bis an den großen Erntetag.

 

Ich folge Dir, verklärter Held!

Dir, Erstling der entschlaf'nen Frommen!

Triumph, der Tod ist weggenommen,

Der auf der Welt der Geister lag.

Tod! wo ist dein Stachel? dein Sieg, o Hölle, wo ist er? –

Unser ist der Sieg: Dank sey Gott! und Jesus ist Sieger.

 

Dort seh' ich aus den Thoren

Jerusalems zwei Schüler Jesu geh'n;

In Zweifeln ganz, nun ganz in Traurigkeit verloren,

Geh'n sie durch Wald und Feld,

Und klagen ihren Herrn. Der Herr gesellt

Sich zu den Trauernden, umnebelt ihr Gesicht,

Hört ihre Zweifel an, gibt ihnen Unterricht.

 

Und seine Rede heilt der Freunde Schmerz;

Mit Liebe wird ihr Herz

Zu diesem Gast entzündet.

Sie lagern sich. Er bricht das Brod, und saget Dank;

Die Jünger kennen seinen Dank;

Der Nebel fällt, sie seh'n ihn, – er verschwindet.

 

Willkommen, Heiland! freut euch, Väter!

Die Hoffnung Zions ist erfüllt.

O! dankt, ihr ungebornen Kinder!

Gott nimmt für eine Welt voll Sünder

Sein großes Opfer an.

 

Der Heilige stirbt für Verräther:

So wird des Richters Spruch erfüllt.

Er tritt das Haupt der Hölle nieder,

Er bringet die Empörer wieder;

Der Himmel nimmt uns an.

 

Willkommen, Heiland! freut euch, Väter

Die Hoffnung Zions ist erfüllt.

O! dankt, ihr neugebornen Kinder!

Gott nimmt für eine Welt voll Sünder

Sein großes Opfer an.

 

Triumph! Triumph! der Fürst des Lebens sieget!

Gefesselt führt er Höll' und Tod.

Triumph! Triumph! die Siegesfahne flieget!

Sein Kleid ist noch vom Blute roth.

 

Eilf auserwählte Jünger, bei verschloss'nen Thüren,

Die Wuth der Feinde scheuend, freuen sich,

Daß Jesus wieder lebt. – »Ihr glaubt es, aber mich«,

Erwiedert Thomas, »soll kein falsch Gesicht verführen.«

 

»Ist er den Galiläerinnen nicht,

Auch diesem Simon nicht erschienen?

Sah'n ihn nicht Kleophas und sein Gefährte dort

Bei Emmahus? Ja hier, ein Freund, an diesem Ort

Sah'n wir ihn alle selbst, es waren seine Mienen,

Die Worte waren seinen Worten gleich;

Er aß mit uns.« –

»Betrogen hat man euch;

Ihr selbst, aus Sehnsucht, habt euch gern betrogen!

Laßt mich ihn sehen, mit allen Nägelmaalen seh'n:

Dann glaub' auch ich, es sey mein heißer Wunsch gescheh'n.« –

Und nun zerfließt die Wolke, die den Herrn umzogen.

Der mitten unter ihnen steht und spricht:

»Der Friede Gottes sey mit euch!

 

Und du, Schwachgläubiger! komm, siehe, zweifle nicht!«

»Mein Herr! mein Gott! ich seh', ich glaub', ich schweige.« –

»So geh' in alle Welt, und sey mein Zeuge!«

 

Mein Herr! mein Gott! mein Herr! mein Gott!

Dein ist das Reich, die Macht ist dein!

So wahr dein Fuß dies Land betreten,

Wirst du der Erde Schutzgott seyn,

Jehovens Sohn wird uns vertreten!

Versöhnte, kommt, ihn anzubeten!

Erlöste, sagt ihm Dank:

 

Zu dir steigt mein Gesang empor

Aus jedem Thal, aus jedem Hain.

Dir will ich auf dem Feld Altäre

Und auf den Hügeln Tempel weih'n.

Lallt meine Zunge nicht mehr Dank:

So sey der Ehrfurcht fromme Zähre

Mein letzter Lobgesang.

 

Mein Herr! mein Gott! mein Herr! mein Gott!

Dein ist das Reich! die Macht ist dein!

So wahr dein Fuß dies Land betreten,

Wirst du der Erde Schutzgott seyn.

 

Jehovens Sohn wird uns vertreten,

Versöhnte, kommt, ihn anzubeten!

Erlöste, sagt ihm Dank!

 

Triumph! Triumph! der Sohn des Höchsten sieget!

Er eilt vom Sühnaltar empor,

Triumph! Triumph! sein Vater ist vergnüget;

Er nimmt uns in der Engel Chor.

 

Auf einem Hügel, dessen Rücken

Der Oelbaum und der Palmbaum schmücken,

Steht der Gesalbte Gottes, um ihn steh'n

Die seligen Gefährten seiner Pilgerschaft.

Sie seh'n erstaunt von seinem Antlitz Strahlen geh'n;

Sie seh'n in einer lichten Wolke

Den Flammenwagen warten, der ihn führen soll:

Sie beten an. – Er hebt die Hände

Zum letzten Segen auf: »Seyd meines Geistes voll!

Geht hin und lehrt,

Bis an der Erden Ende,

Was ihr von mir gehört,

Das ewige Gebot der Liebe! – Gehet hin,

Thut meine Wunder! Gehet hin,

Verkündigt allem Volke

Versöhnung, Frieden, Seligkeit!«

Er sagt's, steigt auf, wird schnell emporgetragen,

Ein strahlendes Gefolg umringet seinen Wagen

 

Ihr Thore Gottes, öffnet euch!

Der König ziehet in sein Reich.

Macht Bahn, ihr Seraphinenchöre!

Er steigt auf seines Vater Thron.

 

Triumph! werft eure Kronen nieder!

So schallt der weite Himmel wieder;

Triumph! gebt unserm Gott die Ehre!

Heil unserm Gott und seinem Sohn!

 

Ihr Thore Gottes, öffnet euch!

Der König ziehet in sein Reich.

Macht Bahn, ihr Seraphinenchöre!

Er steigt auf seines Vaters Thron

 

Gott fähret auf mit Jauchzen,

Der Herr mit heller Posaune.

Lobsinget, lobsinget Gott!

Lobsinget, lobsinget unserm Könige.

 

Der Herr ist König!

Deß freue sich das Erdreich

Das Meer brause!

Die Wasserströme frohlocken,

Und alle Inseln sey'n fröhlich!

 

Jauchzet, ihr Himmel!

Freue dich, Erde!

Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen!

Wer ist, der in den Wolken gleich dem Herrn gilt,

Und gleich ist unter den Kindern der Götter dem Herrn?

 

Lobet ihn alle seine Engel!

Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!

Halleluja!



(* 24.02.1725, † 11.04.1798)




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